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Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Dienstag 15. März 2011, 20:30
von stüdemann
Hi Leute,

wollte mal nachfragen, ob einer was von der Sache weiss. Zu meiner Zeit an Bord wurde immer mal wieder über einen angeblichen Fluchtversuch eines Schiffes nach Kiel geredet. Angeblich Meuterei, Offiziere eingesperrt. Funker hat die Sache verraten. Schiff wurde mit Schnellbooten abgefangen.
Angeblich wurden auf dem Achterdeck gleich Leute standrechtlich erschossen.

Also wie gesagt, darüber wurde so geredet. Was daran wahr ist und was nicht, kann ich nicht sagen.

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Dienstag 15. März 2011, 20:45
von KBaier
Hallo,

dass klingt mir eher nach dem Film "Rottenknechte"! Vielleicht haben Eure "Vorgänger" die Filmarbeiten miterlebt, aber falsch gedeutet??
Alles Andere halte ich für äußerst unwahrscheinlich!!

Gruß Karsten :mecklenburg-vorpommern:

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Mittwoch 16. März 2011, 10:42
von navi 121
Alsoooo Männers
Soweit ich mich erinnern kann,gab es solch einen Vorgang von Meuterei.Allerdings gehören
standrechtliche Erschießungen wohl ins Reich der Fabel.
An der KSS-Pier lag in der Zeit 1965 oder 1966 ein Boot unter Bewachung welches versucht hatte
sich einen neuen Hafen zu suchen und von TS-Booten aufgebracht wurde.Eigentlich müßte
es noch mehr Leute geben,die diesen Vorgang in der Hohen Düne beobachtet haben.Ansonsten
wurde so etwas nicht an die große Glocke gehängt und Flach gehalten,es hätte ja Nachahmer
geben können.
Bis denne dann
Navi 121

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Mittwoch 16. März 2011, 16:34
von bitti62
Im Buch Fahnenfluchten zur See ist ein geplanter Fluchtversuch eine U-Jägers, Bordnummer 474, beschrieben. Deiser ist aber nicht einmal im Ansatz zur Ausführung gekommen, da er fünf Tage vor dem Auslauftermin praktisch vereitelt wurde. Der Vorfall datiert vom Januar 1967.

Dann wäre noch die Gruppenfahnenflucht mit einem KS-Boot aus dem Jahr 1961 im Angebot (GBK).Diese Boot lief am 24.08.1961 im Travemünde ein wo 3 Besatzungsmitglieder verließen das Boot. Es konnte dann von der restlichen Besatzung sofort wieder aus dem Hafen gebracht werden. Das ist nach meinem Wissen das einzige mal, wo ein Boot/Schiff in einem BRD-Hafen war im Zusammenhnag mit Fahnenflucht/Entführung.

Auch von der geplanten Fahrt nach Kiel (412 TETEROW) ist in dem Buch die Reede. Demanch hatten Besatzungsangehörige die Idee zur Kieler Woche 1967 zu fahren. Es gab Vorbereitungen, die aber später nicht mehr ernsthaft verfolgt wurde. Das MfS handelet trotzdem und verhaftete 8 Besatzungsmitglieder in Peenemünde. Auch diese Entführung hat als nie stattgefunden, kein Schiff wurde von Schnellbooten gestoppt.

bitti

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Samstag 19. März 2011, 18:57
von stüdemann
Hallo bitti, besten Dank für die ausführliche Auskunft. Damit wäre die Sache geklärt. Ist doch immer wieder interessant was da so rauskommt. Gruss Holger

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Dienstag 22. März 2011, 19:03
von tghecht
Klar gab es einen, kurz vor dem Erreichen der Hoheitsgewässer der ehemaligen BRD vereitelten, Fluchtversuch von einem E-Maat eines GBK-Schiffes (MSR Kurz). Ich lag 1980 oder 81 im Revier in W'mnde. mit einem Motgasten zusammen im Revier, der hat mir die die Story erzählt. Ich habe es nicht glauben wollen, aber nach der Wende hat sich herausgestellt, das alles wahr war. Es ist auch mal im Fernsehen dokumentarisch nachgestellt worden und der E-Maat hat, glaube ich 15 Jahr Bau bekommen, von denen er wohl bis zur Wende knapp 10 Jahre abgesessen hat. Es hieß damals, er wäre in der CSSR standrechtlich erschossen worden, was natürlich totaler quatsch war.
Die Story ist auch ziemlich plausibel abgelaufen, da ich selber E-Maat (auf MSR-Lang) war, kann ich die Möglichkeit, zumindest aus technischer Sicht, bestätigen.
Das deckt sich auch mit den in einem anderen Fred geschilderten verschärften Sicherheitsmaßnahmen auf Vorposten, die sicherlich ein Resultat dieser "Panne" waren.
Also kurze Schilderung: der E-Maat hat sich vom befreundeten Steuermannsmaat den Kurs zur Seegrenze zeigen lassen, hatte einen Schlüssel zum Generatorenraum (neben dem Messevorraum), wo die 3 Kalaschnikows und Muni für das Bergekommando aufbewahrt wurden, schnappte sich Nachts eine davon, kidnapte den 1WO, den er zwang, den Puster aus seinem Schapp zu holen, sperrte beide und den Rest der Besatzung in das vordere Matrosendeck, schloß ab und ist los. Maschine starten und Anker kappen ist ja für einen erfahrenen E-Maat nicht so das Problem. AK Richtung Westen. Da der Funker sich nicht mehr meldete, der Kurs auf dem Überwachungsradar der Küstenfunkstationen wohl auch ziemlich eindeutig war, gabs Vollalarm, KTS und Hubschrauber los, aber die hätten ihn wohl nicht gekriegt.
Was ich nicht wusste, weil beim MSR-Lang anders, war, dass die in der vorderen Munilast Handgranaten zum Minensprengen hatte. Damit haben dann ein paar Lebensmüde das Luk gesprengt und den E-Maat auf der Brücke beworfen. Eine hat wohl getroffen, aber nicht lebensgefährlich. Schiff zurück und lag dann unter Bewachung hinten an der KSS-Pier. Ich hab die Pfeile gesehen: sah aus wie nach einem Kriegseinsatz, aber natürlich wußte damals keiner wieso.
Das Ganze ist auch irgendwo nachzulesen, weiß bloß nicht mehr wo.

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Mittwoch 23. März 2011, 16:16
von Steffen
Bei dem Maat handelt es sich um Bodo Strehlow.
Hier was zu diesem Thema, wie es aus Sicht der Stasiopfer beurteilt wird.

http://www.sed.stasiopferinfo.com/phpBB ... f1805e55be

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Mittwoch 23. März 2011, 17:52
von 14725
wollte das gleiche erreichen wie jene 5000 Flüchtlinge vor und nach ihm, die über die Ostsee in die Freiheit schwimmen wollten



ist diese Zahl der Fluchtversuche über die Ostsee realistisch ?

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Donnerstag 24. März 2011, 19:40
von Steffen
Hier dazu der Stasi - Beauftragte des Landes MV
( Hinweis dazu unter Statistik )

http://www.ostseefluchten.de/html/set/set.htm

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Donnerstag 24. März 2011, 20:11
von 14725
Danke für den Link.
Hätte echt nicht gedacht das es so viele waren die über die Ostsee wollten.

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Montag 28. März 2011, 21:39
von welsumer1
Hallo Fahrensleute!
Über den Buschfunk drang 1961 zu uns durch,wir lagen in Tarnewitz an der Pier und trafen Vorbereitungen zum Seeklar machen,um auf Vorposten auszulaufen.
Zwei Besatzungsmitglieder eines Kontrollbootes der GBK haben die Besatzung überwältigt und sind den Hafen von Travemünde angelaufen. Nach verlassen des Kontrollbootes ist die an Bord verbliebene Besatzung sowie das Grenzkontrollboot an die Behörden der DDR übergeben worden.

eine angenehme Woche für alle Forenmitglieder wünscht
Christian

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Dienstag 29. März 2011, 18:20
von Kulle
Stimmt Christian,
das hat der Buschfunk auch bei uns berichtet. Es hat sich auch so zugetragen, (hier und in anderen Foren [Republikfluchten] wurde bereits darüber berichtet) nur der Dampfer wurde nicht an die DDR - Behörden übergeben, sondern der Rest der Besatzung ist selbständig und alleine zurückgekommen. In Travemünde hat man von dieser Aktion anfangs offensichtlich nichts mitbekommen.
Später berichtete der Buschfunk, dass der Besatzung nach ihrer Rückkehr unschöne Vorwürfe gemacht wurden u.a. Feigheit vorm Feind; man hätte durch Ablenkungsmanöver die RF verhindern können usw., aber wie gesagt - Buschfunk!

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Mittwoch 30. März 2011, 17:34
von oldhenry
Hallo Männer! Auf 740 - Sommer 1961>
Ich kann berichten, daß wir durch unseren Kommandanten und PV beim achterlichen Antreten über das Ereignis informiert wurden, mit dem Hinweis: ..."aber die kriegen wir schon noch!" Was ja, wenn man das Thema weiter verfolgt hat, auch so geschehen sein soll. Denn dazu wurde etwas später ebenso hämisch informiert.
Ein Signalgast, mit dem ich später auf U-04 fuhr und der zum Zeitpunkt in Barendorf Dienst schob, hat das Boot in Travemünde einlaufen und auslaufen sehen. Mit umgedrehter( grün unten!) Grenzerfahne...! Die Verwirrung war perfekt.
nach langer Abstinenz.......in punkto Forum....oldhenry :sachsen:

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Samstag 2. April 2011, 15:59
von Phobos
tghecht hat geschrieben:... Was ich nicht wusste, weil beim MSR-Lang anders, war, dass die in der vorderen Munilast Handgranaten zum Minensprengen hatte....


Achtung! Handgranaten auf den Schiffen wurden NICHT zum Minensprengen verwendet - wo habt ihr das bloß her?
Sollte die Mine aus dem Schlauchboot heraus beworfen werden? :nein:
Handgranaten wären gegen Unterseeboote eingesetzt worden, welche (was man ja annehmen durfte) irrtümlich Hoheitsgewässer verletzen. Im Abstand von 1 min. geworfen war das ein internationales Signal, jeder U-Bootkommandant hätte es deuten können. Die Handgranaten sollten das U-Boot auch nicht treffen. Der Knall ist aber unter Wasser sehr weit zu hören. Das U-Boot wäre entweder aufgetaucht oder hätte in UW-Lage die Richtung geändert und in intern. Gewässer abgelaufen.

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Montag 4. April 2011, 21:03
von MC-FLY
Handgranaten werden auch gegen Kampfschwimmer eingesetzt !

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, das aus diesem Grunde die
Boote auf Vorposten damit ausgerüstet wurden.

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Montag 4. April 2011, 22:01
von Phobos
Im Hafenbecken würde das Sinn ergeben, auf offener See wäre wohl die Handfeuerwaffe die leichtere Variante. Wir hatten die HG nicht nur für die VP-Fahrten an Bord, sie gehörten zur Ausrüstung.

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Dienstag 5. April 2011, 19:38
von stüdemann
Hallo Kameraden,
kann bestätigen was Phobos schreibt. Auch auf 326 gehörten Handgranaten zur ständigen Ausrüstung.
Was das Minensprengen angeht hatten wir auch einen Vorrat TNT nebst Zünder und Schnur an Bord.
Ich hatte das Glück an der Sprengung einer Mine aus dem 2.WK teilzunehmen. Hatte als Sperrgast auch einen
Sprenghelferlehrgang mitgemacht. Ich werd mal einen Bericht darüber schreiben, war ganz interessant.
gruss H.

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Dienstag 5. April 2011, 19:44
von MC-FLY
Phobos hat geschrieben:Im Hafenbecken würde das Sinn ergeben, auf offener See wäre wohl die Handfeuerwaffe die leichtere Variante. Wir hatten die HG nicht nur für die VP-Fahrten an Bord, sie gehörten zur Ausrüstung.


Nicht nur im Hafenbecken !

Bei ankernden Booten, Schiffen besteht immer die Gefahr eines
Angriffs durch Kampfschwimmer.
Der Lungenautomat verrät auch nicht den Taucher, weil nur kleine
Luftbläschen ausgestoßen werden.
Mit Handfeuerwaffen kann man jedenfalls in den meisten Fällen
Kampfschwimmern nicht beikommen.
Aus einem dieser Gründe waren bei uns Handgranaten im Einsatz.
Durch die Druckwelle unter Wasser kommt es zu inneren Verletzungen.

Ein kleines Beispiel :
In einer Tiefe von 10 Meter herrscht ein Druck von zwei Bar.
Durch die Detonation einer Granate geht eine Druckwelle durchs Wasser,
Ausreichend, um Fischen die Schwimmblase platzen zu lassen.

Das ist natürlich nur eine Vermutung,
Aber wenn es die Nato so gehandhabt hat, warum nicht auch der Warschauer Pakt ?

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Mittwoch 6. April 2011, 16:48
von GERZIE13
:ok: Hallo ihr Seebären

Ich hatte schon einmal darüber geschrieben. Während des Krieges zwischen Ägypten und Israel lagen wir mit der MS "Darss" in Alexandria. Da die Ägypter so einen Heidenbammel vor den Israelischen Kamfschwimmern hatten, ließen sie Tag und Nacht eine Barkasse durch die Hafenbecken laufen.
Achtern saß ein Soldat mit einer Kiste und warf eine Handgranate nach der anderen ins Wasser. Am Tage störte uns das wenig, wir waren ja alles Altgediente. In der Nacht wurde diese Aktion zum Horror, wenn das Boot in unsere Nähe kam, war es jedesmal als würde einer mit einem Riesenvorschlaghammer an die Bordwand dreschen.
Da wurde Nachtruhe natürlich sehr klein geschrieben. :nein: :schweinkram:
Was waren wir froh nach 5 Nächten endlich wieder freies Wasser um uns zu haben.

Gooden Tach noch Gerd

Noch nen Spruch : Tapferkeit ist die Fähigkeit,von der eigenen Furcht keine Notiz zu nehmen.
Georg Patton

:ok:

Re: Meuterei auf einem Schiff der VM

BeitragVerfasst: Mittwoch 6. April 2011, 21:05
von MC-FLY
Um den Lärmpegel zu senken, waren bei solchen Übungen anstatt
Seestiefel Sportschuhe befohlen.
Außerdem wird auch schon mal der beliebte Stacheldraht hinter dem
Schiff hergezogen.

Die Detonationen waren in der Tat so laut und heftig, das man im
Deck das Gefühl hatte, die nächste Granate könnte die letzte sein.

Aber wir bewegen uns vom Thema Meuterei weg !